Alle Mittelamerika Strand

Tanzen und Träumen in Tulúm

Vor der Reise dachte ich:
„Ich bin zwar noch auf der Suche nach dem echten Paradies, bin aber mittlerweile realistischer und erwarte dieses jetzt hier einfach mal nicht.“

Nach der Reise denke ich:
„Wer nicht sucht, der findet: Ich habe bisher noch keinen schöneren Ort auf der Welt gesehen.“


Wir erreichen Tulúm problemlos in einem „Colectivo“. Das sind Minivans, die als Sammeltaxen von A nach B fahren – innerhalb der Städte und auch von einer in die andere. Meist tragen sie auch die Aufschrift „Colectivo“ und auch die Strecke (in unserem Fall Playa del Carmen – Tulúm). In der Region fahren die Colectivos regelmäßig. Neben zentralen Stationen, halten sie an vielen Hauptstraßen, Marktplätzen, Hotels und Sehenswürdigkeiten. Hier kann man sich die Mitfahrgelegenheit direkt vom Straßenrand ranwinken. Und nach dem Winken heißt es Daumen drücken: Wenn im Bus noch Plätze frei sind, wird angehalten und wenn nicht, dann nicht. Beim Einsteigen nennt man das Ziel seiner Fahrt und erkundigt sich dann nach dem Preis, bezahlt wird ausschließlich bar und am besten mit Kleingeld, so ist ein Mitfahren ohne Ärger über fehlendes Wechselgeld gesichert.

Wir steigen aus und holen tief Luft. Alles ist ruhig und klein und wirkt „unamerikanisch“. Nach Cancún und Playa del Carmen (das mir ehrlicherweise nicht mal einen eigenen Post wert ist) ist Tulúm also ab der ersten Sekunde eine Wohltat.

Als wir uns ein Fahrrad mieten möchten sind wir sehr deutsch und einige Zeit vor dem Fahrradvermieter an seinem Laden. Verleihe sind einige zur Auswahl. Man hinterlässt Pfand und kann losradeln. Und ich finde, das sollte man auch wirklich tun – wenn man die Kondition zum normalen Vor-sich-hin-radeln hat (für viel mehr reicht es bei mir wirklich nicht). Besser kann man sich in Tulúm wohl nicht bewegen. Das Zentrum und die Strände und Ruinen der Zona Arqueológica liegen ein gutes Stück entfernt von einander. Man muss mindestens erst mal 5 Kilometer bewältigen und das bei mexikanischen Temperaturen.
Und wen diese faktischen Argumente noch nicht von einem Fahrrad überzeugen können: man kann am Strand (also auf dem Strand) fahren! Für mich war das ein neues Erlebnis. Ein gutes Erlebnis. Es fühlte sich nach Hippietum und Freiheit an.

Das Wasser an den Stränden Tulúms ist traumhaft wir haben die meiste Zeit Glück mit dem Wetter bei unserem Aufenthalt, sodass wir eigentlich ununterbrochen irgendwie irgendwo unterwegs sind.

Mit etwas Abstand betrachtet erscheinen mir das Dorf und die Strandregion wie zwei verschiedene Orte und gefühlsmäßig zwei verschiedene Urlaube. Alle Hotels haben sich natürlich für eine Lage am Wasser entschieden. Dadurch gibt es hier allerhand fancy Etablissements: Man kann sich in Betten mit strahlend weißen Vorhängen von Kellnern direkt am Strand mit europäisch anmutenden Getränken und Speisen bedienen lassen, eine Massage in einer Hütte mit Blick aufs Meer genießen oder gar tanzen unter Palmen und Diskokugeln gleichermaßen.

Das ist schön anzusehen und vermittelt auch uns mit unserem Reisebudget, das heute nur den günstigsten Posten auf der Speisekarte zulässt, ein Gefühl von Luxus. Auf der anderen Seite ist das Dorf und das ist ebenso schön aber anders. Dadurch, dass sich die Hotels aus dem Stafdtkern fernhalten, ist es hier nicht dicht oder hoch bebaut ist und man bekommt ein wenig einen Eindruck vom Alltag. Auf dem zentralen Dorfplatz spielt sich das Leben ab. In nur einer Woche werden wir Zeugen von zahlreichen öffentlichen Aerobic- und Tanzstunden, der großen „Tortugashow“ mit allerlei Programmpunkten und einem Gesangswettbewerb.
Und wenn der Abend uns kein Entertainment-Highlight bietet, haben wir wirklich genug zu tun mit circa zehn zu verspeisenden Tacos und mindestens dreißig zu verarztenden Mückenstichen.
Und die scheinen hier fieser und vielfältiger zu sein als auf unseren anderen drei Stationen. Ohne jegliche Expertenkenntnis von Flora und Fauna mache ich den Dschungel direkt neben unserer Unterkunft und den fehlenden Wind verantwortlich.

Nach den wunderschönen Tagen freuen wir uns aber auch, hier abzureisen. Nicht nur die Mückenstiche brennen, auch der unterschwellige Rassismus auf beiden Seiten macht es einem schwer, sich komplett wohlzufühlen. Unsere nächste Station soll daher städtischer und aufgeschlossener werden.

 

 

 

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