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Die wahrscheinlich schönste Stadt Europas: Barcelona

Vor der Reise dachte ich:
„Das wird schön!“

Nach der Reise denke ich:
„Das wird immer schön bleiben!“


Nach dieser Einleitung frage ich mich nun, was Barcelona alles passieren müsste, damit es nicht mehr schön und eine Reise wert ist. Die Altstadt müsste komplett verschwinden – mit all ihren gotischen mittelalterlichen Straßen, aber auch die Jugendstilviertel, der Strand mitsamt Strandpromenade und der Hafen müssten verschwunden sein. Der Montjuïc und der Tibidabo müssten ebenfalls weichen.
Dann wäre Barcelona vielleicht wirklich keine Reise mehr wert.
Ich bin nicht besonders gut in Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wahrscheinlich kann man nicht mal eine Wahrscheinlichkeitsrechnung für solche Gedanken wie diese hier machen. Aber ich komme jetzt einfach mal zu dem Entschluss: ziemlich unwahrscheinlich, dass jemand von euch den Tag erlebt, an dem Barcelona gänzlich nicht mehr schön ist.

Ein Hop-on-Hop-off-Busticket für mehrere Tage bringt uns gut durch die Stadt und vor allen Dingen auch die Anhöhen hoch und runter.
Zwischen einzelnen Highlights fahren wir auch Metro, was wirklich einfach ist, aber auch seine Zeit dauert – will man beispielsweise umsteigen, geht man gerne von einem zum anderen Gleis unterirdisch zu Fuß mal acht Minuten. Und das ist dann der einzige Part von Barcelona, den man lieber nicht zu Fuß erkundet.
Denn ansonsten lässt es sich kaum besser flanieren. Die Stadt ist touristisch, keine Frage, aber es wohnen und leben auch 1,6 Millionen Barcelonès unmittelbar in der Stadt und 4,8 Millionen im Metropolbereich. Wieder eine gewagte Wahrscheinlichkeitshypothese meinerseits: so viele Socken-in-Sandalen-Träger finden sich nicht mal weltweit, um dieses belebte katalonische Stadtbild zu zerstören.

Apropos zerstören: wie in allen Städten, denen der zweite Weltkrieg nichts getan hat, kann man sich hier kaum satt sehen an der Schönheit alter Häuser. Der Stadtteil „Eixample“ ist geprägt durch die Bauten des katalanischen Jugendstils, des Modernisme. Auf der Hauptstraße Passeig de Gràcia, die den mittelalterlichen Stadtkern mit dem Künstlerviertel „Gràcia“ im Norden verbindet, hat man ununterbrochen etwas zu gucken. Auf dem Weg liegen auch zwei der bekanntesten Bauwerke Antoní Gaudís: die Casa Millà und das Casa Batlló.

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Und Barcelona setzt noch einen drauf: viele Häuserfassaden in der „Ciutat Vella“ (wo man auch das „Barri Gòtic“ findet) werden stehen gelassen, während der restliche marode Bau dahinter abgetragen wird. So werden romantische Spaziergänge auch für künftige Generationen gesichert.

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Bei an die hundert Museen und sonstigen Sehenswürdigkeiten muss man sich entscheiden. Und dann will man ja eigentlich doch die Klassiker sehen. So haben wir uns bereits von zu Hause aus einen Reservierungs-Slot für die „Sagrada Familia“ und eine Führung für den „Palau de la música catalana“ gesichert. Man kann sich online ganz einfach für einen Tag und eine Uhrzeit anmelden und umgeht so locker jegliche Wartezeit – und die gibt es. Wir fühlen uns sehr schlau und auch ein bisschen wichtig, als wir nur mit dem QR-Code bewaffnet an den Wartenden vorbeiziehen. Ein kurzer Moment der Unlockerheit stellt sich ein, da die Sonne zu hell strahlt und dem Lesegerät Probleme macht den Code auf dem Handy-Display zu lesen. Nach fünf Anläufen sind wir aber drin. Und Himmel, das lohnt sich.

Gaudí muss man mögen. Die skurrilen Bauten prägen das Stadtbild und sind gern geknipsteste Fotomotive, aber wer gerade Winkel und Linien schätzt, dem schmerzt es vielleicht so manches Mal in den Augen.
Nicht weniger florales Chichi hat der Palau de la Música Catalana, aber deutlich angepasstere Formen. Das Konzerthaus zeichnet dennoch größte Originalität aus. Skulpturen, Keramik, Glas, Mosaike, Holzböden und eine riesige Orgel kann man sich im Konzert oder eben in einer Tour mit englischsprachigen Guides anschauen.

Nachdem ich den Passeig de Gràcia schon erwähnt und vor allem gelobt habe, fallen mir kaum noch Worte ein, um die Ramblas zu beschreiben.
Die populärere der beiden und einfach nur „Rambla“ genannt, ist eine über 1.200 Meter lange Promenade, die die Plaça de Catalunya mit dem Hafen verbindet. Hier versammeln sich nicht nur Blumenhändler und Straßenmusiker, sondern wieder mal eindrucksvolle Gebäude wie das Gran Teatre del Liceu von 1844 und der Markt Mercat de la Boqueria  von 1836. Und sie ist zurecht so bekannt.
Mir hat es aber die Rambla de Catalunya etwas mehr angetan. Diese führt den Weg ab der eben erwähnten Plaça de Catalunya im Norden weiter hoch. Und was gibt es hier zu sehen? Tatsächlich nichts, was großartige Wikipedia-Einträge mit sich bringt aber für mich ist das nicht der Punkt. Hier stimmt einfach die Atmosphäre. Auch Anwohner flanieren und essen hier – und das alles mit direktem Blick auf den Tibidabo auf dessen Spitze die Sagrat Cor thront, die der Pariser Sacre Couer gar nicht mal so unähnlich ist.

Wo wir schon bei Bergen sind, zwei weitere Anhöhen wären da noch. Der bereits initial erwähnte Montjuïc, auf welchem sowohl die Weltausstellung 1929 als auch die Olympischen Spiele 1992 ausgetragen wurden. Er ist aufgrund seiner Sehenswürdigkeiten (Palau Nacional, Font Mágica…), seiner Parks und seiner Stand- und Hafenseilbahn einen Ausflug wert.
Bleibt noch der Park Güell. In diesem Park verzichtete Gaudí, als Hommage an die Natur, auf große Erdbewegungen und passte seine Pläne dem hügeligen Terrain an. Die vielen Treppen und Terrassen machen ihn genauso besonders wie die darin stehenden Häuser und die serpentinenartige Mosaik-besetzte Bank, die manchmal im Internet als längste Bank der Welt betitelt wird. Für die Besichtigung des Parks und all seiner versteckten Ecken sollte man Zeit mitbringen – aber die nimmt man sich hier gern.

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Jetzt habe ich mit so vielen Straßen- und Gebäudenamen um mich geschmissen, dass es Zeit für Erholung wird. Wie gut, dass diese Metropole auch noch kilometerlang Strand zu bieten hat. Und um den zu genießen, muss man kein Hotel in der Nähe gebucht haben. Entlang des Strandes gibt es Duschen, Toiletten und Umkleidekabinen und die Bars gibt es nicht nur auf der Promenade, sondern auch direkt im Sand. Freie Auswahl hat man dennoch meistens nicht, da der Rest der Einwohner und Touristen sich auch hier versammelt.
Nachdem ich mich in die Belebtheit der Stadt aber eigentlich so verliebt habe, kann ich wohl unter keinen erdenklichen Umständen erwarten, dass man mir den Strand allein überlässt. Nun gut, denke ich, wenn Shakira im goldenen Bikini auf Rollschuhen ihr Leben hier genießen kann, dann muss ich wohl einfach ein bisschen mehr wie Shakira sein.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ich schon schlechtere Vorsätze hatte, ist auf jeden Fall hoch.

1 Kommentar zu “Die wahrscheinlich schönste Stadt Europas: Barcelona

  1. Pingback: Roadtrip – Von Barcelona bis Lissabon. PART 1: Urlaub genießen zwischen Stadtverkehr, Maut und illegalen Parkeinweisern. – Erst mal weg.

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