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Mit dem Segway zum Papst: Rom

Vor der Reise dachte ich:
„Wenn ich eines aus Eat, Pray, Love behalten habe, dann, dass ich hier verdammt gut essen werde.“

Nach der Reise denke ich:
„Wenn ich eines vom Alltag in Rom besonders in Erinnerung behalten habe, dann die unbefriedigende Essens-Situation.“


Als wir am Hauptbahnhof eintreffen – es ist bereits nach 22:00Uhr – wundere ich mich erst mal nicht, dass es recht leer ist. Als wir anfangen nach dem richtigen U-Bahn-Tunnel zu suchen und an jeder einzelnen Treppe aber auf heruntergelassene Rolltore stoßen, bin ich dann doch verdutzt. „Hier fährt nichts, bestimmt technische Probleme. Lass uns nach Bussen schauen.“ sage ich. Vor dem Bahnhof reicht die Schlange am Taxistand bis um die Ecke des großen Bahnhofsgebäudes. Ein bisschen schadenfroh lache ich über die Leute, die „nicht einfach“ Bus fahren. Aber bereits nach drei Minuten dämmert mir, dass ich mich wohl etwas zu früh gefreut habe. Nichts geht. Unser Airbnb-Host meldet sich am anderen Ende der Leitung, das Englisch ist nicht sehr gut, aber die Worte „on strike“ hat er parat und ich verstehe endlich. Weil er ein wirklich guter Gastgeber ist, fährt er sofort los und findet uns sogar zufällig problemlos in den wartenden Menschen- und Automassen. Danke, Federico!

Die italienischen Gewerkschafter meinen es wohl gut mit uns, die Bahnen fahren wieder und so können wir gleich am nächsten Morgen selbstständig Rom erkunden – in einem gut ausgebauten Nahverkehrsnetz, das alle touristischen Bedürfnisse deckt. Metro fahren ist sehr günstig und man bekommt verschiedene Kartenpakete an den Automaten direkt in den Stationen. Zudem haben wir uns bereits von zu Hause aus den Roma Pass gekauft, bei dem entweder 48 oder 72 Stunden der Nahverkehr schon inklusive ist. Der eigentliche Nutzen ist aber natürlich – wie so oft –  der freie Eintritt zu Ausgrabungen, Museen und weiteren Sehenswürdigkeiten. Und Preisnachlässe für andere Einrichtungen und Veranstaltungen. Und davon gibt es einige zu sehen. Rom hat höchst offiziell die bedeutendsten Bauten und Museen Europas: Die komplette Altstadt, der Petersdom und die Vatikanstadt wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Das zieht Touristen von überall an. Was mir natürlich klar war. Was mir allerdings nicht so klar war ist, welche vermeintlichen Marktlücken dadurch aufgetan werden. Schrottige Urlaubssouvenirs, wie ich sie aus meiner Kindheit kenne, sind dabei eher kein Problem. Die Penetranz mit welcher einem aber versucht wird (in erster Linie) Selfie-Sticks, surrende fliegende Spielzeuge oder Segway-Touren zu verkaufen, trübt das Bild. Der einzelne „Händler“ kann nicht unbedingt was dafür, da man aber nur drei Meter weit kommt ohne angesprochen zu werden, kann sich ein leichtes Gernervtsein einstellen. (Ja, ich bin ungeduldig und habe einfach überdurchschnittlich gern meine Ruhe.) Aber jetzt mal im Ernst: mit dem Segway auf direktem Wege zum Papst? Das ist nicht das Rom-Feeling, das ich brauche.

Zusammen mit den Touristenströmen besichtigen wir also die Highlights der Stadt. Neben dem wirklich imposanten Petersdom (erbaut 1506 bis 1626) und der Vatikanstadt mitsamt sixtinischer Kapelle, machen aber die antiken römischen Bauwerke nochmal so richtig Eindruck.
Steht man in 2000 Jahre alten Bauwerken, die wie im Fall des Kolosseums auch noch auf drei Stockwerken zu begehen sind, dann spürt man Geschichte. Und auf einmal ist Rest nur noch „retro“ oder „vintage“ – auf jeden Fall „irgendwie pipifax“.
Und dabei wurde Rom vom Dichter Tibull bereits schon im 1. Jahrhundert v. Chr. als Ewige Stadt betitelt. Ob er wirklich geahnt hat wie ewig ewig sein kann?

Die Klassiker lohnen sich wirklich (hierzu zählen natürlich auch der Trevi Brunnen, die spanische Treppe und das Pantheon). Ich dachte zu keiner Zeit, dass sich das ein oder andere Gebäude seinen Ruhm nicht verdient habe. Besonders angetan hat es uns aber die Engelsburg – einst als Mausoleum gedacht, dann ein Kastell, eine Fluchtburg und ein Gefängnis, heute natürlich ein Museum. Hier gibt es „Geheim“gänge, alte päpstliche Appartements und einen großartigen Blick auf die Stadt.

Genug der Bauwerke. Immerhin muss ja irgendwann den Bogen zu meinem Einstieg kriegen. (Das habe ich hiermit getan.) Natürlich tue ich Rom Unrecht, wenn ich sage, dass man hier nirgends gut essen kann. Das ist bestimmt falsch. Man muss nur das passende Kleingeld in der Tasche haben. Und mit kleinem Geld meine ich das Gegenteil – ist klar. So haben wir in all den Tagen also exakt ein Mal Preis-Leistungs-mäßig richtig gut gegessen. Und am Ende dann doch 10€ für zwei 0,2l Cola-Flaschen drauf bezahlt, weil wir das nicht beachtet haben.
Eine ganz andere Geschichte spielt sich in den Gelaterias ab: In Italien bestellt man das Eis nicht nach Kugeln, sondern nach Geschmacksrichtungen (gusti).  Un gusto ist am Ende doch sowas wie eine Kugel, nur meist nicht in einer kugelrunden Form. Man steigert dann beliebig auf due, tre, quattro (…) gusti. Ein einfaches System, das man nach dem ersten Kauf geblickt hat. Wie bei uns, stellt sich natürlich erst mal die Frage „in der Waffel“ – Cono oder „im Becher“ – Coppetta? Das haben wohl die meisten intuitiv parat. Schwieriger wird’s dann bei der Gusti-Auswahl: Pistazie, Schokolade,  alle nur erdenklichen Früchte der Welt, Bier, Peperoni oder doch lieber Gorgonzola?

Rom ist eine Reise wert. Jedes einzelne Bauwerk erschlägt einen nahezu mit seiner Schönheit, seiner Imposanz oder seiner Geschichte.
Das richtige Dolce-Vita-Fieber konnte mich zwischen Selfie- und Mozzarellasticks für die Touristen aber nicht packen.
Ich denke, ich probiere es einfach noch mal in der Toskana.

PA040224
Ciao.

2 Kommentare zu “Mit dem Segway zum Papst: Rom

  1. Hahaha ich musste bei den ersten 2 Sätzen echt lachen, weil das gleiche habe ich auch aus Rom mitgenommen 😀 witzig, dass dir die Engelsburg am besten gefallen hat, denn die hat’s mir tatsächlich am wenigsten angetan 😀
    Liebe Grüße, Dorie
    http://www.thedorie.com

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    • Danke für deinen Kommentar und schön, dass ich nicht so allein in der „deutschen Mecker-Ecke“ stehe.
      Mein Freund sagte auch relativ schnell, dass die Engelsburg ja nicht sein Highlight gewesen wäre… Nun denn 😀

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