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Bye-jing and Shang-Hi!

Vor der Reise dachte ich:
„Ich bin in Beijing, was soll an Shanghai großartig anders sein?“

Nach der Reise denke ich:
„Ich kann kaum glauben, dass beide Städte im selben Land liegen. Shanghai ist anders – großartig anders!“


Wir erreichen Shanghai in Hochgeschwindigkeit. Die Schnellfahrtstrecke verbindet die 1318 km auseinanderliegenden Städte in vier Stunden und vierzig Minuten. Das allein wäre schon ziemlich nett, Zugfahren in China ist aber noch viel netter. Die großen Bahnhöfe erinnern an Flughäfen und alles passiert mit System in verschiedenen Terminals, mit Sicherheitschecks, Fahrkartenkontrolle vor dem Einsteigen und garantiertem Sitzplatz. Nimm das, Deutsche Bahn!

Room with a view:

Als wir die U-Bahn zu unserer Wohnung nehmen wollen, merken wir, wie ausnahmslos jeder die Taschen-Sicherheitskontrolle im U-Bahnhof ignoriert. Weil uns nun aber in Peking vermittelt wurde jede noch so kleine Handtasche und jede Einkaufstüte auf das Band zu legen, sind wir die einzigen, die das auch hier befolgen. Am nächsten Tag schon haben wir das abgelegt und freuen uns darüber, dass die Leute hier – so scheint es – „viel weiter“ vom Regime entfernt sind. Man fühlt sich ein Stück freier.

Das hat nicht zuletzt geschichtliche Gründe. Seit den 1840er Jahren war Shanghai für die Briten zum „wichtigsten Marktplatz Ostasiens“ geworden. Und nach den Briten folgten bald die Franzosen. Beide Länder richteten sich die ersten ausländischen Konzessionen ein. Es folgten Amerikaner und Japaner.

Durch die günstige Lage nahe der Haupthandelsroute der großen Seide und Tee produzierenden Regionen entwickelte sich Shanghai bis 1900 zu einem wichtigen Hafen und Industriezentrum. Shanghai entwickelte sich schnell zur Weltstadt. Anfang des 20. Jahrhunderts erreichte Shanghais Bevölkerungszahl die Millionengrenze.
(Quelle: Wikipedia)

Doch auch hier ergeht es mir, wie in Beijing und Mexiko City: von 23 Millionen Einwohnern merke ich nicht viel. Ich fühle mich nie erdrückt von Menschen. Und beim Spazieren durch die Straßen der Französischen Konzession erst recht nicht. Blühende Alleen, koloniale Wohngebäude, Bäckereien und Cafés sind geblieben. Und auch wenn ich ganz bestimmt nicht für Kaffeeklatsch und Kuchen nach China gereist bin, schmecken zwei europäische Frühstücke in drei Wochen wirklich gut.
Ansonsten genießen wir aber auch hier auf Chinesisch. Eine besondere Spezialität der Stadt sind mit Fleisch und Suppe gefüllte Dumplings (Sheng Jian Bao), die zudem scharf angebraten werden. Zusammenfassend: Die Dinger können alles! Großartiger Teig knusprig angebraten und dann noch Suppe drin. Mhhhm!

Neben dem lockereren Umgang mit Sicherheitsvorkehrungen der Regierung, Kaffee und Gebäck, fällt vor allem die Internationalität auf. Man sieht sehr viel mehr „Langnasen“ als in Beijing und man kann sich auf Englisch hervorragend verständigen.

Der Name der Stadt setzt sich aus den Zeichen 上 (shàng) im Sinne von „auf“, „hoch gelegen“, „oberhalb platziert“ und 海 (hǎi) = „Meer“ zusammen und kann wörtlich als „[Stadt] über dem Meer“ übersetzt werden. Das ist ebenso poetisch wie zutreffend. Am meisten Wasser nimmt man als Tourist aber wohl am „Bund“ mit – der Uferpromenade entlang des Hunagpu-Flusses. Zur Weltausstellung 2010 wurden hier die großen europäischen Bauten des 19. Jahrhundert komplett renoviert und erstrahlen in neuem Glanz.

Es ist immer noch November und wir können unser Glück kaum fassen, als wir im T-Shirt bei bestem Wetter und ohne auch nur die leisesten Anzeichen von Smog Pudong erkunden können, wo sich Wolkenkratzer in Wolken kratzen. Und zwar genauso imposant, wie man es von (meist China-kritischen) Dokus auf n-tv kennt. Ich habe keinerlei Kritik für diesen Anblick über.
Besonders spektakulär ist die Aussicht vom Bund auf Pudong bei Nacht, wenn die Gebäude von bunten Lichtern angestrahlt werden und selbst strahlen.

Alles in allem fühlte sich Shanghai wirklich wie ein kleines Stück Europa in Ostasien an. Mal abgesehen von dem Herrn mit dem Albino-Frettchen an der Leine (nebst sehr stylischer Tragetasche).
Und man kann wohl darüber streiten, ob man sich damit gut oder schlecht fühlen sollte. Erstens aufgrund der Kolonialgeschichte – findet man nicht gut! Und zweitens, ob es gut ist, dass es mir persönlich ein gutes Gefühl gibt in einer Stadt zu sein, die so sehr meinem eigenen Kulturkreis entspricht – möchte man sich selbst nicht gern eingestehen.
Wenn ich diese Fragen mit mir selbst geklärt habe und ich mein positives Gefühl immer noch habe, dann schließe ich auch ein Leben in Shanghai nicht aus. Ja wirklich. So gut war es hier!

Er und das Frettchen mögen mir verzeihen; unwahrscheinlich, dass sie hier mitlesen:

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