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Wo alles still steht, außer der Palmen im Wind: Haría

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie wir stets immer wieder dazu neigen nicht nur Menschen in Schubladen zu stecken, sondern auch ganze Regionen oder gar Länder.
War ich in China? Ja. Hab ich ein ein allgemeingültiges Bild von jeder Ecke des „Riesenreichs“? Auf keinen Fall. Und ich finde, dass auch jedes kleinere Land und jede kleinere Region es wert sind, für sich zu betrachtet werden.
Deswegen möchte ich die Insel, die mir zwar nicht die Welt, aber eben die Kindheit bedeutet, in mehreren ihrer schönen Facetten und Ortschaften vorstellen, anstatt es bei einem Post zu belassen. Den Anfang macht: Haría.

Du warst auf Lanzarote aber hast von Haría nichts gesehen und vielleicht nicht mal gehört? Das ist gar nicht so unwahrscheinlich. Denn fernab von den drei touristischen Hochburgen, erst ausgeschildert wenn mann eigentlich schon da ist, fast schon ein bisschen versteckt auf einem Berg liegt der Ort in einem Tal, das den Beinamen „Das Tal der tausend Palmen“ trägt. Eine echte Oase aus Dattelpalmen.

Die alte Kanarische Sage dazu erzählt, dass immer, wenn in der Ortschaft ein Mädchen geboren wurde, eine neue Palme wuchs.

Ob man der Sage nun Glauben schenken mag oder nicht, der Anblick der vielen Palmen bleibt sagenhaft – und bestimmt das Bild des Ortes. Den Rest an unvergleichliche Stimmung liefern Häuser, die anders, als in den „jüngeren“ Orten der Insel, nicht nur kubische Einfamilienhäuser sind, sondern klassizistischen Bauten aus dem 19. Jahrhundert. Rund um die Plaza de la Constitución begibt man sich ganz unabsichtlich auf Zeitreise.
Nicht nur die Landflucht, die Mitte der 50er Jahre hier herrschte vermittelt dieses Gefühl. Der Ort ist belebt, hat auch eine Grundschule und eine weiterführende Schule. Passt man aber den passenden Zeitpunkt ab, erinnert hier nicht viel an 2017. Geht man beispielsweise mittags und unter der Woche durch die Gassen Harías, wenn die Bewohner also zum Arbeiten woanders sind und die Fensterläden wegen der Hitze geschlossen bleiben, muss man sich das 16. Und 17. Jahrhundert nicht vorstellen, sondern kann es einfach sehen und fühlen.
Da fällt es mir sogar ganz leicht den bedeckten Himmel zu vergessen. Hatte ich mich doch schon so auf schöne Bilder von der Aussichtsplattform über Haría gefreut, gebe ich mich heute damit zufrieden in und über den Wolken gewesen zu sein – das passiert ja auch nicht jeden Tag.

Hektik gibt es nicht. Eine Bar mit Stühlen vor der Tür lädt lediglich zum Zwischenmenschlichen Austausch ein. Sonst wirkt vieles wie Kulisse, nur ganz uns gar nicht künstlich. Und einen älteren Herrn wird es immer geben, der mit Hut und optional Gehstock auf einer Bank oder Mauer sitzt, also keine Angst: Ihr seid in kein Filmset gestolpert.

Ebenfalls wie ein Filmset wirkt eines der beiden Häuser des „Inselkünstlers“ (ich mag das Wort nicht besonders, aber irgendwie trifft es ihn am Ende ja doch ganz gut) César Manrique. Warum mich das Wort stört? Er war für Lanzarote viel mehr als ein Künstler und hatte mit Sicherheit auch eine große Beteiligung daran, dass das beschriebene Haría das ist, was es ist. Manrique war mit dafür verantwortlich, dass der Massentourismus auf Lanzarote in gemäßigten Bahnen verlief. Er setzte sich dafür ein, die landschaftliche und kulturelle Identität seiner Heimatinsel zu bewahren und zu erhalten.

Leider muss ich aber auch sagen, dass sein Haus im Ort das Eintrittsgeld nicht wert ist. Findet auch ein Tourist mit einem breiten Süddeutschen Akzent, der nicht weiß in welchem Museum er sich gerade befindet: 

„Ist des hier des Haus mit dene Lava-Blasen?!“
Nope. Eindeutig nicht.
„Des is ja schade. Wo ist des?“
Da und da. (3 Minuten gute Wegerklärung)
„Ahja, kost des dann auch Geld?“ Schon.
„Mh, und des lohnt sich dann?“
Gott, lies einen Reiseführer… oder einen Blog.

Leute, die nicht wissen wo sie sind und was sie anschauen – kannste dir nicht ausdenken.

Aber weil ich genau weiß, was man sich auf Lanzarote so anschaut, schreib ich noch ein bisschen weiter darüber. Und dann lesen vielleicht wieder ein paar Leute mit, die ich davon überzeugen kann, dass es sich lohnt unscheinbare Straßen hoch und runter zu fahren und in noch viel unscheinbareren Restaurants Platz zu nehmen und alles einfach nur auf sich wirken zu lassen.

2 Kommentare zu “Wo alles still steht, außer der Palmen im Wind: Haría

  1. Pingback: Eine Inselspitze, zwei Strände, alles anders: Lanzarotes Nord-Strände. – Erst mal weg.

  2. Pingback: Lanzarotes Hauptstadt meines Herzens – außer sonntags: Teguise – Erst mal weg.

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