Alle Europa Stadt

Wie ich nach Budapest fuhr und mit der Kündigung zurück kam.

Vor der Reise dachte ich:
„So unvorbereitet war ich in meinem ganzen Leben noch nicht vor irgendeinem Ausflug. Wie heißt die Währung? Wie? Ach Quatsch, das ist doch keine Währung?… Wird schon schief gehen. Hauptsache Donau.“

Nach der Reise denke ich:
„Unvorbereitet in Europa ist natürlich kein großartiges Problem, dennoch hätte ich mir von mir selbst gewünscht ein paar Brocken Ungarisch parat zu haben. Und mann, diese Währung ist echt komisch. Aber die Donau war noch schöner als erwaret!“


Nach Budapest fliegen ist günstig. In der Tat so günstig, dass sich unsere Freunde aus Österreich und wir uns lieber in einem dritten Land treffen, als uns auf den Weg zu den jeweils anderen zu machen.

Und auch vor Ort überzeugen die Preise. Mit ein paar Forint (bereits erwähnter Währung,von der ich wirklich noch nie gehört hatte) ist man überall dabei. Sowohl das Essen, wie auch die Eintrittsgelder sind sehr niedrig. Blöd nur, dass es sich für mich die ganze Zeit nicht so anfühlt.

Mit Dyskalkulie einkaufen gehen ist so eine Sache. 100-Grammpreise mit Kilogrammpreisen vergleichen fällt im Alltag schon schwer, aber tausende Forint für Eis in der Waffel ausgeben und dabei dann wissen ob das angemessen ist und was das in Euro wäre – keine Chance!

Was für Eis gilt, gilt auch für ungarische Spezialitäten wie Langos oder Baumkuchen. Sieht teuer aus, ist es nicht und alles in allem schmeckt es einfach nur hervorragend.

Baumkuchenlife
Original ungarischer Baumkuchen und ich – eine Liebesgeschichte

Budapest ist eine dieser Städte, in denen man Sehenswürdigkeitentechnisch auch absolut ohne einen Cent zu bezahlen auf seine Urlaubskosten kommt. Man kann gut und gern stundenlang an der Donau spazieren gehen oder sitzen, die Flussseite dabei ständig über verschiedene schöne Brücken wechseln und durch die einzelnen Stadtviertel flanieren oder auf Aussichtspunkte kraxeln und die Stadt von oben sehen. Konkret heißt das:

Kostenlos und gut

– 235m auf den Gellértberg klettern und sich dann nicht nur am Ausblick, sondern auch an der eigenen körperlichen Ertüchtigung erfreuen.
– Die Freiheitsbrücke von allen Seiten anschauen.
– Für die Kettenbrücke gilt dasselbe.
– Buda! So ganz allgemein. Hier sind die Fischerbastei, die Matthiaskirche und der gesamte Burghügel sind frei von allen Seiten zugänglich. Will man rein – oder im Falle der Bastei rauf – wird ein Eintrittsgeld fällig. Der Anblick von außen und ein fast tagesfüllender Spaziergang sind aber durchaus schon sehr befriedigend.
– Die prunkvolle St. Stephans Basilika mit ihrer Kuppel, die man fast von überall in der Stadt sehen kann, ist ebenfalls kostenfrei. Möchte man es mit den  297 Treppenstufen in die Kuppel aufnehmen, wird allerdings ein Eintrittsgeld fällig.

TIPP: Auf dem Vorplatz des Parlaments führt eine unscheinbare Treppe in eine Gedenkstätte mit angeschlossener Ausstellung, von der wir nicht so recht glauben konnten, dass sie kostenlos ist.
Hier werden eindrucksvoll und mit modernen Mitteln (3D Animationen, Projektionen, Sound) die Geschehnisse vom Ungarischen Volksaufstand 1956, bei welchem sich Budapests Einwohner gegen die Regierung der kommunistischen Partei und der sowjetischen Besatzungsmacht erhoben haben, dargestellt. Wie aus einer friedlichen Großdemonstration ein bewaffneter Kampf wurde und was das für die Einwohner bedeutet haben muss, lässt sich hier gut nachempfinden.

– Der Markthalle stehe ich mit gemischten Gefühlen gegenüber. Möchte man Essen kaufen, entweder zum Verzehr vor Ort oder um sich die Taschen für später vollzumachen, kann man hier bestimmt gute Angebote finden. Die obere Etage ist allerdings an Kitsch schwer zu überbieten. (Und das sage ich als Frau, die mit drei mit Blumen bestickten Oberteilen nach Ungarn gereist ist!) Hier findet sich nur China-Ware und keine schönen oder auch nur entfernt authentisch-ungarisch anmutenden Mitbringsel.

Kostet was aber kann nix

– Die Standseilbahn, die auf denn Burgberg fährt. Schon von Weitem sieht man die Leute anstehen. Und wenn Leute anstehen, dann muss es ja gut sein! Naja, oder eben nicht. Die Bahnfahrt dauert dann einen Bruchteil von der Zeit, die man angestanden hat. Man teilt sich zudem das Abteil und wenn man dabei Pech hat, steht man nicht mal am Fenster. Was ich mir davon versprach: Fotos. Tatsächlich ist es aber so, dass der Fußweg wohl die besseren Bilder beschert. Von Außen ist die Bahn allerdings ein Motiv wert.

– Die Felsenkapelle im Gellértberg (eine in den Stein gehauene Kirche nach dem Vorbild der Kapelle von Lourdes) gilt als eine der außergewöhnlichsten Attraktionen. Ich fand sie ebenfalls außergewöhnlich – außergewöhnlich schlecht. Es war zum einen die am wenigsten beeindruckende Kirche, in der ich jemals war und zum anderen auch die am wenigsten beeidruckende Höhle. Und weil Minus mal Minus in solchen Fällen eben nicht Plus ergibt, war ich doch etwas enttäuscht. Alles riecht ein bisschen muffig, man sucht vergebens nach kirchlichem Prunk und hat man den Felsenteil der Kapelle durchquert (was recht schnell geht), landet man in einem normalen Raum voller liebloser Stühle und hässlicher Türen und Fenster. Ab hier kann man dann wieder umdrehen und zurück gehen.

Kostet und lohnt sich

– Die Große Synagoge veranschlagt 4000 Forint (knapp 13 Euro) und dabei ist es egal, ob man selbst eine Zeit verweilt oder sich einer Tour anschließt. Die Tour-Anfangszeiten in den verschiedenen Sprachen sind am Eingang aufgelistet. Der Torahschrein, der Friedhof und die Denkmäler auf dem Areal sind sehenswert und die Guides beantworten alle von der Gruppe gestellten Fragen.

Große Synagoge Budapest
Große Synagoge Budapest

– Eine Donaufahrt! Ich gebe es zu, wir haben die Fahrt tatsächlich nur gebucht weil wir an unserem letzten Abend noch so viel Budget übrig hatten. Ich mein, Donaurundfahrt, das hört sich ja schon nach Kaffeefahrt an. Aber nachdem wir kurz darüber nachgedacht hatten, wollten wir diese Fahrt auch wirklich gern machen. Also: ab ins Netz und für denselben Abend buchen. Die Preise starten bei fairen 8 Euro und es gibt sogar schon Angebote mit Essen ab 16 Euro.
Während viele verschiedene Seiten dazu rieten die Abendfahrten zu fortgeschrittener Stunde zu buchen – wegen der vielen schönen Lichter – haben wir uns für ein Boot eher entschieden und Budapest bei Sonnenuntergang gesehen. Und das würde ich auch jedem anderen empfehlen. Klar, Budapest bei Nacht ist ein toller Anblick (Bilder weiter unten), aber das ist es eben auch vom sicheren Ufer. Dank der vielen Brücken kann man bei Nacht viele verschiede Perspektiven genießen. Bei Tageslicht hingegen kann man noch einmal alle Sehenswürdigkeiten abfahren und ganz im Detail bestaunen. Der Blick von der Wasserseite auf das Parlamentsgebäude ist übrigens unvergleichlich.

Zu forgeschrittener Stunde und wieder auf festem Grund, laden neun Brücken zu verschiedenen Anblicken von allen Seiten ein, alles glitzert und Bauwerke aus den verschiedensten Jahrhunderten thronen auf unterschiedlichen Höhen. Da steht steht man da und denkt sich ganz plump „Ja mann, das ist Europa!“.

Soviel zu den von uns erkundeten Sehenswürdigkeiten. Ich könnte jetzt noch einen ebenso langen Teil über die einzelnen Viertel, die Stimmung bei Tag und bei Nacht, alle von uns nicht angesehenen Highlights (Burg und Parlament von innen, Thermalbad…), oder über die Übelkeit nach einem dreiteiligen Langos-Menü schreiben, oder ich schließe einfach mit etwas persönlichem.

Denn wer nun beim Lesen bis hierher durchgehalten hat, der hat sich auch die Auflösung des Post-Titels verdient.
Budapest ist – schon wieder – eine von diesen Städten gewesen, durch deren Straßen wir gingen und uns alle halbe Stunde gesagt haben „Wir checken gleich mal die Immobilienpreise!“
Natürlich habe ich mit Hamburg in Deutschland schon eins der größeren Lose gezogen, kann aber mit dem schönste-Stadt-der-Welt-Gelaber wirklich so gar nichts anfangen. Meine einzige Reaktion darauf ist meist „Entschuldigung, warst du schon mal in Barcelona? Wien? Stockholm?!“ Und jetzt reiht sich auch noch „Warst du schon mal in Budapest?“ mit ein. Budapest hat zwar nicht den ganz großen Auswanderungswunsch in mir geweckt. Allein schon deswegen nicht, weil es nicht repräsentativ für das restliche Land ist. Es hat aber geschafft, dass ich mich unfassbar wohl fühlte und dabei merkte, dass ich das zu Hause nicht tue. Und das hat, wie bei wohl den allermeisten Menschen, zu einem großen Teil mit dem Job zu tun. Also fuhr ich ohne großartig weiter nachzudenken zurück, mit keinem einzigen Rest-Forint aber der Kündigung in der Tasche. Um noch viel mehr Orte auf der Welt zu sehen, die mich glücklich und zufrieden stimmen könnten. Und auch, wenn dies immer nur kurze Affären bleiben und die ganz große uneingeschränkte Stadtliebe vielleicht auch nicht dabei sein wird, will ich das alles erleben.
Und einen doofen Job braucht ja sowieso niemand.

2 Kommentare zu “Wie ich nach Budapest fuhr und mit der Kündigung zurück kam.

  1. Hey, super interessant geschrieben!! Steht dann wohl auf meiner TO DO LIST!
    Bei mir geht’s im November wieder einmal nach Belgrad. Auch sehr schön. Ich werde auf meinem Blog berichten.

    Gefällt mir

    • Danke dir für das Feedback. 🙂 Wie ich schon schrieb, es hätte auch wesentlich ausführlicher werden können. So oder so, freu dich drauf! Mit Belgrad habe ich mich noch gar nicht beschäftigt. Ich bin gespannt!

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