Alle Asien Stadt

Belogen. Betrogen. Bangkok.

Vor der Reise dachte ich:
„Eine Hauptstadt wird es wohl nicht nötig haben, sich zu verramschen wie ein Touri-Ort. Ich erwarte authentisches Leben und Essen auf den Straßen.“

Nach der Reise denke ich:
„Alle Einheimischen (wenn sie denn überhaupt Thais sind) scheinen Touristen (egal welchen Landes) zu hassen und nach allen Regeln der Kunst ausnehmen zu wollen. Viele schöne Dinge und gutes Essen gab es auch nicht.“


Seit fünf Tagen denke ich darüber nach, wie ich meine Eindrücke beschreiben soll, kann und darf. Der Titel verrät: wir hatten keine gute Zeit. Um ganz ehrlich zu sein, war Bangkok wohl eine der schlimmsten Erfahrungen, die wir je gemacht haben. Gefühle wie Enttäuschung bis Traurigkeit und Unsicherheit bis Angst haben die Tage vor Ort geformt. Ich weiß, dass es nicht jedem so ergehen wird, deswegen betone ich gleich vorweg noch einmal: das sind nur unsere Erfahrungen und die Gefühle und Schlüsse, die wir daraus ziehen können.

Abgezogen an Tag zwei. Und zu 50% vielleicht „selbst Schuld“.

Von Haus aus sind wir die vorsichtigsten Menschen, die es nur gibt. Alles wird 3 Mal kopiert, sicher im Safe verstaut, wichtige Sachen unter der Hose in der Reise-Gürtel-Tasche getragen, das kleinere Geld dann separat mitgenommen. Und vor allem: Wir lassen uns nicht von offensichtlichen Verkäufern anschnacken… Und genau da hat Bangkok uns mal so richtig am Allerwertesten gekriegt. Wir hatten uns – weil wir ja soooo vorsichtig sind – nicht in Bangkok-Scams eingelesen. Der bekannteste (das Internet ist wirklich voll davon) funktioniert so. Und wir sind voll drauf eingestiegen:

Du stehst eine Sekunde, weil du dich orientierst, oder wie in unserem Fall, einfach nur an der roten Ampel. Ein Mann geht mit uns über die Straße und in netter Plauderstimmung beginnt er ein Gespräch. Hamburg kennt er, ein Kumpel von ihm macht da Thaiboxen, ein anderer in Toulouse, er selbst hat auch geboxt, jetzt ist er zu alt. Ob mein Freund auch Kampfsport macht – macht er. Also ist das Gespräch wirklich nett und irgendwie persönlich. Und es wirkt nicht ausgedacht oder geplant. Der Mann gibt uns Empfehlungen, was wir uns anschauen sollen, weil wir so vertieft sind und ihm alle Zeit der Welt geben (er ist ja so nett), wird alles aufgeschrieben. Zudem scheint heute auch noch unser Glückstag zu sein. Es ist nationaler Feiertag, die Tuktuk-Fahrer, die vom Staat sind werden bezuschusst und alles ist super günstig, wenn man nur in die Tuktuks mit den gelben Kennzeichen einsteigt, denn auch Busse und lizensierte Taxis haben gelbe Kennzeichen. Das sind die vom Staat, muss man wissen. Ebenso muss man wissen, dass man sich bei dieser *er schreibt es mit auf den Zettel* Tourismusanlaufstelle melden muss, wenn man was braucht. Auch nur die sind lizensiert. Dann wird sich verabschiedet.
Wow, das war ja nett. Der wollte uns gar nichts verkaufen und hat sich einfach so verabschiedet.

Wir gehen weiter und kommen ein paar Minuten später mit einem anderen Mann ins Gespräch. Ja, Feiertag, wissen wir. Wir wollen jetzt aber endlich zu ein paar Sehenswürdigkeiten. Big Buddha zB (der erste Punkt auf dem Zettel, den wir bekommen haben). Das ist aber zu weit zu laufen, wo doch heute alles so günstig ist. „I mean, you can walk if you want to. But Bangkok is so huge. And Tuktuks are so cheap today. I would recommend you to drive.“ Ja, hatter wohl Recht. Beim nächsten Tuktuk, das wir mit seiner Hilfe finden, steigen wir also ein.

Und so beginnt die Kacke zu dampfen – ohne, dass wir was merken.

Wir halten an Tempel 1. Joa, der Buddha ist echt groß, aber es gibt ja noch so viel mehr zu sehen, also fix weiter.
Tempel 2 ist der „Lucky Buddha“, wird uns auch noch mal von einem Mann am Eingang erzählt, der uns darauf hinweist die Schuhe auszuziehen. Er, ebenso nett wie Stranger 1, Stranger 2 und der Tuktuk-Fahrer, fragt nach Deutschland. Wie kalt ist es da jetzt? Und wie kalt wird es noch? Ach wie gut, dass er diese Probleme in Thailand nicht hat. Wir lachen. Ob wir vom Feiertag wüssten. Klar. Und auch, dass man am Feiertag 20% in Shops und Factories bekommt. Nee. Aber ja, gut zu wissen. Dieser Tempel kann wirklich gar nichts. Aber… wer sind wir schon das zu bewerten? Wir sind ja nicht gläubig und wenn genau dieser Buddha-Typ da vorne schon vielen Leuten zu Glück verholfen hat, dann ist das eine sehr feine Sache. Trotzdem ziehen wir die Schuhe schnell wieder an und ziehen weiter.

Wir werden zu einem Schneider gefahren, wegen des Feiertagsrabatts. Und jetzt kommt das blöde: wir wollen tatsächlich einen Anzug haben. Kommt einem auch nicht komisch vor, wenn man weiß, dass sich wirklich viele Leute – auch Leute, die wir kennen – ihre Sachen in Asien maßschneidern lassen. Wir werden ein bisschen eingelullt, ich bin kritisch aber „in China haben die das ja auch alle gemacht“ und „wir brauchen eh einen“. Man kann sich vorstellen wie das ausgeht.

Wir zeigen dem Tuktuk-Fahrer noch mal den Zettel, den wir mit uns führen. Ist ja einfacher als Maps und sowieso… Leider stand hier ja immer noch das Tourist-Office drauf. Also halten wir nun da. Wir denken einfach nur „Ach ja, scheiße, das hat der uns ja auch aufgeschrieben, ein bisschen unser Fehler, dass wir dem Fahrer nur den Zettel zeigen.“ aber wir gehen mal rein. Und jetzt kommt – s c h o n   w i e d e r – das blöde: wir müssen ja noch einiges an Touren planen. Die Hotels waren alle gebucht aber wie man von A nach B kommt nicht. So wird uns ganz schnell das Geld aus der Tasche gezogen. Ja, ich hatte mich zu bestimmten Zielen eingelesen aber vieles davon scheint nicht ganz richtig zu sein. Es wird uns glaubhaft verkauft, dass der Zug, den ich im Internet recherchiert hatte nicht der, mit der tollen Aussicht sei und dass in Südthailand aktuell keine Fähren sondern nur Speedboote fahren – wegen des Wetters. Ja gut, das hört sich ja alles blöd an. Wie gut, dass uns jetzt eine Reiseagentur uns dabei hilft.

Wir werden an den Hauptsehenswürdigkeiten Palast / Wat Pho von unserem Fahrer abgeworfen. Geben auch noch Trinkgeld weil naja… wir sind nett und er ja auch. Denkste.

Zurück im Hotel wird die Reise-Agentur gegoogled und das ganze Kartenhaus fällt in sich zusammen. Drölf Tausend Einträge zu dem immer selben „Bangkok Lucky Buddha Scam“. Wir können es nicht glauben.
Was wir nicht glauben können? Wie ausgeklügelt die Touri-Mafia vorgeht.Dass der ein oder andere mehr Geld aus einem Touri machen will, war uns schon klar. Dass die Preise der Agentur überzogen waren, haben wir auch schon in dem Büro gedacht. Aber, dass kein einziger Mensch heute ein freundlicher Passant oder einfach nur ein rumstehender Tempel-Typ war, das schockt uns wirklich tief.

Schlagartig wird uns klar, dass wohl viel Geld weg ist, das bewegt uns aber nicht so sehr wie der Fakt, dass auch noch etwas Geld mit dem Reiseveranstalter offen ist und dass diese Leute wissen wo wir gerade wohnen. Immerhin sollen wir ja am nächsten Morgen abgeholt werden.

Wir schlagen uns die Nacht mit Bauchschmerzen und Übelkeit um die Ohren, gehen um sechs an die Rezeption und bitten das Personal den Fahrer anzurufen, dass wir nicht mitfahren wollen. Der Fahrer antwortet prompt am anderen Ende, dass man noch mal bei der Agentur anrufen müsse, denn „es sei ja noch Geld offen.“
Wir müssen vor dem Hotelpersonal einräumen, dass wohl noch was offen wäre, würden wir denn fahren. Aber wir wollen auf keinen Fall. „Die sollen ihre 10.000 Baht behalten und gut ist.“ Bei 10.000 Baht schluckt auch er und sagt „Oh, that’s too much…“ Ja eben, und that’s auch nicht trustworthy, sag das ab.

Wir verkriechen uns für zwei Tage im Zimmer. Alle möglichen Gedanken treiben uns um. Wir sind nicht nur enttäuscht von den Abzockern, sondern auch von uns selbst. Diese Reise sollte dazu dienen, dass wir beide uns mehr auf andere einlassen, wir wollten weniger skeptisch sein, weniger „deutsch“ sein, Dinge ausprobieren und vor allem nicht so aufs Geld achten, wie wir es normalerweise tun. Und all diese Vorhaben haben uns genau dahin gebracht, wo wir nun sind: ganz nach unten.

Die guten Seiten.

Dieses Erlebnis allein ist nicht das, was Bangkok für uns versaut hat. Auch sonst fanden wir die Stadt sehr schmutzig und unfreundlich. Außer natürlich an den Touristenattraktionen.
Zwar kann ich hier überhaupt nur was zu zweien sagen aber die kann ich dafür auch empfehlen. Der Golden Mount und der berühmte Wat Pho haben uns nicht nur ein paar schöne Bilder sondern auch schöne Eindrücke verschafft.

Die Möglichkeiten zu Essen rund um den Tha Tian Market (gegenüber des Wat Pho) sind ebenso einladend, wie die Cafés mit Blick auf den Fluss. Und haben uns einen letzten Tag in dieser Stadt gerettet.

Diese Sehenswürdigkeiten vermögen zwar nicht den Bangkok-Karren aus dem Dreck zu ziehen – aber Tempelanlage, Aussicht und Bangkoks Sonnenuntergänge besänftigen insofern, dass wir zumindest noch Lust auf Südostasien haben und nicht komplett schwarz sehen.
Jeden Abend sehen wir sogar rosa-rot und freuen uns auf mehr davon.
Aber an ganz anderen Orten. Mit ganz anderen Leuten.

2 Kommentare zu “Belogen. Betrogen. Bangkok.

  1. magdalenagajewski

    Hallo Lousia,

    das hört sich ja ätzend an. Die Enttäuschung kann ich verstehen – vor allem die von einem selbst.

    Bei uns war es in Vietnam damals zwar nicht so schlimm, aber wir haben den Fehler der Fehler gemacht und uns in ein Tuktuk gesetzt, ohne den Preis vorher auszuhandeln. Folge war: Der Fahrer hat uns doppelt so viel abgezogen und auch noch irgendwo mitten drin angesetzt. Aber gut, aus Fehlern lernt man.

    Und Südostasien ist zum Glück ja groß, da werdet ihr die Erlebnisse in Bangkok sicher bald erfolgreich verarbeitet haben.

    Liebe Grüße
    Magdalena

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Louisa,
    wenn ich daran denk, wie schön dich Bangkok mit diesem spektakulären Sonnenaufgang begrüßt hat, tut es mir umso mehr leid, sowas lesen zu müssen.
    Leider muss man überall damit rechnen, als Tourist ausgenommen zu werden. Ich selbst habe das in Rom sehr krass erlebt. Aber so eine perfide Geschichte hab ich ah noch nie gehört.
    Es ist wirklich schade, dass euch damit der Urlaub versaut wurde, und ihr vlt. jetzt von Thailand bzw. Bangkok diesen Eindruck habt. Lasst euch nur net durch solche Erlebnisse die Reiselust verderben.
    Ich wünsche einen schönen Abend.
    Gruß Erik

    Gefällt 1 Person

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