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George Town – A Gorgeous Town.

Vor der Reise dachte ich: Hier erwartet mich das komprimierte Malaysia.

Nach der Reise denke ich: Hier erwartete mich das komprimierte Malaysia.


George Town ist mehr ein Stück Geschichte als eine Stadt. Das findet auch die UNESCO und machte die 1786 gegründete Stadt zum Weltkulturerbe. Was bedeutet das? Unter anderem, dass die UNESCO einen Schutz- und Erhaltungsplan verlangt, der ausreicht, um die Erhaltung des Erbes sicherzustellen. Und was bedeutet das wirklich? Nun, zweierlei. Ja, alte und eigentlich erhaltenswerte Dinge dürfen nicht abgerissen werden, haben aber auch in ihrem Jahrhunderte altem Zustand oftmals keine Verwendung mehr und stehen leer, liegen brach und warten darauf einzustürzen, zumindest hier. Das trübt das Gesamtbild der Stadt bisher allerdings nur ein bisschen.

Alles in allem kann man sich wunderbar durch George Towns Straßen treiben lassen und eine Macke unserer Generation ist es ja eh leicht abgeranzte Sachen super cool zu finden. So können auch wir uns nicht davon frei sprechen, dass die Hauptfotomotive harte Kontraste von in Schuss gehaltenen knallig angemalten Fassaden neben solchen an denen der Zahn der Zeit nicht nur genagt hat, sondern gleich ganze Stücke abgebissen hat, sind.

Die Leute sind sehr freundlich und wenn du einem Taxifahrer sagst, dass du kein Taxi brauchst, dann ist das wirklich okay und man verabschiedet sich nett von einander. Sonstige Tour- oder Sonstwas-Verkäufer sind uns auch nicht aufgefallen.

Hauptattraktion der Stadt ist die Blue Mansion oder Cheong Fatt Tze Mansion. Und wenn es nun mal nur eine echte Attraktion gibt, dann nehmen sogar wir die geführte Tour dazu. Für 17 MYR pro Person bekommt man ein Ticket für eine der drei pro Tag angebotenen Touren. Einfach eine Viertelstunde vorher kommen, kaufen und mitgehen. Da das Haus heute ein Hotel ist, kann man nur in die öffentlichen Bereiche (Eingang, Innenhof, Treppenhaus und Galerie). Für meine Neugierde reicht das vollkommen, da unser Guide seinen Job wirklich gut macht. Man erfährt natürlich alles über das Haus aber auch interessante Dinge zum allgemeinen Leben vor 115 Jahren in der Stadt, zu chinesischen Einrichtungs-Aberglauben, zu der UNESCO Weltkulturerbe-Nummer, zu den Restaurationsarbeiten und kleine Anekdoten aus Cheong Fatt Tzes Leben.

Die am beliebtesten und belebtesten Teile George Towns sind chinesisch geprägt. Und hier wird man den Gedanken nicht los, dass man durch China wandert, wie es ohne Kulturrevolution, alles einnehmenden und unterdrückenden Kommunismus und mit mehr Offenheit hätte sein können.

Englisch ist als Verkehrssprache allgegenwärtig, aber auch hier leben Chinesen, die ohne ein Bröckchen davon hervorragend auskommen und ihr „chinesisches Leben“ leben.
Den britischen Touch meine ich selbst auch nur in der Sprache, in einem gewissen kolonialen Stil – den ich aber, unwissend wie ich bin, auch jeder anderen Kolonialmacht zuschreiben würde (oder kann jemand von euch den einen Klappfensterladen vom anderen unterscheiden?) – und im englischen Frühstück zu erkennen. Bitte keine hell beige Chicken-Cheese-Sausage für mich, danke!

In George Town sind wir zum ersten Mal in einem Little India. Und die Grenzen sind ganz klar. Du läufst von einer in die andere Straße und schlagartig bist du mitten drin: Mit lauter Musik, schrillen Farben, leckerem Currygeruch und vielen vielen Gold-Juwelieren. Little India ist kein Ort, der mich persönlich zum Verweilen einlädt aber definitiv ein „Muss man mal gesehen haben“. Überrascht bin ich von der traditionellen Kleidungsweise der Frauen. Während man eine Muslima mit Kopftuch, die sich unterm Strich ja auch noch „anders“ als man selbst kleidet, nicht als exotisch oder besonders einordnet, fahren die indischen Frauen groß auf – auch im Alltag. Strahlende bis grelle Saris, riesiger Goldschmuck, Armreifen bis zum Ellenbogen, Henna verziert und natürlich mit Bindi auf der Stirn sieht man die Damen einkaufen und spazieren gehen. Jeans und T-Shirt sind da zwar wesentlich einfacher aber im direkten Vergleich nun mal auch totlangweilig und nichtssagend.

Die Stadt ist bekannt für Streetart. Voreingenommen, wie ich bin, erwarte ich aber mal nicht zu viel davon. Sieht man doch schließlich immer wieder dieselben Motive im Internet: Kinder auf Fahrrad, Junge auf Stuhl und Junge auf Motorrad. Dass sich Straßenkunst hier aber hinter jeden zweiten Ecke versteckt und mit unterschiedlichen Stilen und Motiven aufwartet ist ebenso eine schöne Überraschung wie die kunstvolle Gestaltung von Stadt-Informationen, die als gebogene Eisen-Skulpturen lustige Szenen mit Wissenswertem verbinden.

Man kann sich zwei Tage gut die Zeit vertreiben oder George Town als Ausgangspunkt nutzen, um sich andere Dinge auf Penang anzusschauen, wenn man denn das Geld für den Bus passend dabei hat, denn es gibt kein Wechselgeld. Die Scheine und Münzen werden beim Fahrer in einen Schlitz geworfen, ohne dass man ihm das Geld persönlich reicht. Mit dem passend bezahlten Bus könnte man dann zum Kek Lok Si Tempel, zum Penang Hill hinauf oder an den Affenstrand fahren. Alles bestimmt wunderbare Dinge, die bei unserem Aufenthalt leider ins Regenwasser gefallen sind.

Übrigens: wer von kleinen kolonialen Straßen, Tempeln und Affenstränden liest, könnte den gleichen Trugschluss wie ich ziehen Penang sei eine romantische kleine Insel. Für die Bauten außerhalb George Towns gilt das definitiv nicht. Tech-Firmen und Wohnhochhäuser säumen die Insel. Nicht schlimm, aber erwähnenswert.

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Wir verlassen die Stadt und Penang über den Inselflughafen mit guten Eindrücken, ja sogar Souvenirs.Was heißt, dass es uns wirklich gefallen haben muss.

1 Kommentar zu “George Town – A Gorgeous Town.

  1. Auf Penang gibt es fast alles: Kultur, Hotels, nette Leute, Völkergemisch. Danke für die schönen Fotos.

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