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Zum Mond und zurück – Barrancos de Gebas

Vor der Reise dachte ich: Ich gehe auf einen Aussichtsplattform und genieße den Blick ins Tal.

Nach der Reise denke ich: Es war wohl nicht meine beste Idee von der Aussichtsplattform ins Tal zu klettern.


Es ist 10:30h und wir sind bereits (nach einer Stunde) fertig mit dem Frühstück und dem Sightseeing in Murcia. Schade – aber eine Chance noch mal was ganz anderes zu machen, ein bisschen raus fahren, die Gegend angucken. In der Nähe soll es eine Aussichtsplattform mit Blick in ein Tal aus interessanter Steinformation geben, sagt Maps. Das restliche Internet scheint noch nicht so viel davon zu wissen; bis auf zwei Stimmen auf Tripadvisor. Alles klar, auf geht’s!

50 Kilometer von der Stadt entfernt erreichen wir Gebas und seine „Barrancos“ (dt. Schluchten oder Steilhänge, aber das klingt nicht so cool). Die Anfahrt zum „Mirador“ (dt. Aussichtsplattform, aber das klingt nicht cool) ist schon absolut abenteuerlich und verschlägt einem den Atem. Auf einer schmalen Schotterpiste schlängelt man sich entlang der hell beigen Schluchten zum Parkplatz, auf welchem noch genau ein anderer Wagen steht. Und auch sonst würden nur ca. fünf weitere Fahrzeuge hier Platz finden. Auf viel Besuch ist man nicht eingestellt.

Der Ausblick von der Plattform ist wirklich großartig. Außerdem erspähen wir gut sichtbare Wanderwege ringsum und in nicht allzu weiter Ferne, wie wir glauben, einen türkis schimmernden See.

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„Wollen wir mal ans Wasser gehen?“
„Was meinst du wie lang das dauert?“
„Ich schätze mal ne halbe Stunde.“
„Ich pack noch eben den letzten Schluck Wasser ein.“
Oh. Oh.

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Die Wege sind recht breit und befestigt. Angst abzustürzen muss man nicht haben. Wir scherzen ziemlich schnell über den einen Typen, der im Internet behauptet hat, der Wanderweg sei zwar „Medium“ bewertet aber wäre in Wahrheit viel härter. So sind wir ziemlich schnell im Tal angekommen, um dort festzustellen, dass es einen direkten Weg zum Wasser gar nicht gibt.

„Aber eigentlich muss man doch nur dem ausgetrockneten Flusslauf folgen oder?“
„Klar.“
„Wollen wir einfach mal rein klettern? Verlaufen kann man sich darin ja schließlich nicht.“
„Klar.“
Oh. Oh.

Ihr merkt schon worauf das hinaus läuft oder? Hier ein paar Bilder von der genialen Idee und Umsetzung vom Weg abzubiegen und in das Flussbett zu klettern.

Die folgenden Stunden lassen sich im Schnelldurchlauf so zusammenfassen:
Das Spazierengehen wird beschwerlicher, da Steine und Gestrüpp wild durcheinander auf unserem Weg warten. Aber das ist ja noch irgendwie spaßig. Ein bisschen kraxeln ist schließlich Abenteuer für Anfänger.
Leider scheint der Weg aber auch kein Ende zu haben. Aus einer halben Stunde werden über drei.
Es wird wärmer. Die Mittagssonne brennt (was für ein Glück, dass wir im Winter hier sind!) und wir schwitzen irgendwann auch ein bisschen aus Angst uns falsch entschieden zu haben.
Irgendwann wissen wir mit Sicherheit, dass wir uns falsch entschieden haben.
Gibt’s hier wilde Tiere? Welche wilden Tiere? Ah, ich kann nicht googlen. Hm, anrufen könnte ich jetzt zur Not auch niemanden.
„Wir dürfen uns jetzt wirklich nicht verletzen okay?“ – „Okay.“
Unser Wasser ist leer. Dafür kommt Hunger hinzu.
Aber hey, jetzt will ich auch diesen See sehen, verdammt.

Irgendwann schaffen wir es ans Wasser und dann wird’s erst so richtig nervenaufreibend. Denn nach ziemlich genau fünf Minuten Verschnaufpause am lehmigen Ufer von „wirklich nichts Sehenswertem“ beschließen wir scharfsinniger als Sherlock und Watson, dass der schnellste Weg zurück wohl sein wird wieder auf einen der befestigten Wege zu kommen. Nur wie?
Wir gehen all in. Also mit unserem gesamten Körper.

Bilder können an dieser Stelle wirklich nicht einfangen wie hoch die Barrancos sind und wie wenig empfehlenswert es ist diese hoch oder runter klettern zu wollen.
Mit voller Konzentration, viel Angstschweiß, einigen Stolperern und noch mehr Splittern in den Handflächen schaffen wir es bis nach oben.
Mit Siegerlächeln und Pappmaul geht es jetzt zurück zum Auto.

Also Kinder, was haben wir heute gelernt?
1. Es gibt wunderbare surreale Landschaften, die kaum einer kennt.
2. Sie sind viel näher, als man erwartet hätte.
3. Geht nicht unvorbereitet wandern.
4. Verlasst nicht die ausgebauten Wege. (Außer ihr müsst persönlich was in Mordor abliefern, ist klar.)

Ich kann jedem, der sich in der Nähe von Murcia, Cartagena oder Almería aufhält, nur raten einen Ausflug hier her zu machen. Es ist wirklich ein Erlebnis – auch wenn man nicht so ein Idiot wie wir ist.

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1 Kommentar zu “Zum Mond und zurück – Barrancos de Gebas

  1. Pingback: Roadtrip – Von Barcelona bis Lissabon. PART 1: Urlaub genießen zwischen Stadtverkehr, Maut und illegalen Parkeinweisern. – Erst mal weg.

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